Good Practice für reibungslose Kommunikation

Fokussierte Kommunikation mit SBAR – nicht nur in kritischen Situationen

Kommunikation ohne Reibungsverluste ist in Krankenhäusern für die Patient*innen überlebenswichtig. Studien zeigen, dass bis zu 80% der schwerwiegenden Fehler im Behandlungsverlauf auf eine unzureichende oder fehlerhafte Kommunikation während der Übergabe zurückzuführen sind. SBAR wurde als Kommunikationstool entwickelt, um eine effektive und knappe Kommunikation auch in hektischen Situationen sicherzustellen und das Maximum an Informationen zu übermitteln. Mit SBAR werden Kommunikationsfehler minimiert und mit maximal 2 Minuten pro Patient*in Leben gerettet.

Ursprünglich stammt das Kommunikationswerkzeug SBAR aus dem Hochsicherheitsbereich des US-amerikanischen Militärs. Beispielsweise können beim Einsatz auf Flugzeugträgern der Navy Kommunikationsmissverständnisse großen Schaden anrichten. Die systematische Sprachregelung über SBAR sollte helfen, etwaige Fehler zu reduzieren. Durch die Einführung einer gemeinsamen Sprachregelung wurde das Tool auch als hilfreich für medizinische Situationen erkannt. Dadurch, dass SBAR allgemeingültig angelegt ist, konnte es mühelos auf den medizinischen Bereich übertragen werden. Seit 2007 empfiehlt die WHO die Anwendung von SBAR, um die Patient*innensicherheit zu erhöhen.

Anwendung von SBAR zur Übermittlung aller relevanten Informationen

Als Akronym steht SBAR für die vier Schritte der Kommunikation:

Situation (Situation)

Background (Hintergrund)

Assessment (Einschätzung)

Recommendation (Empfehlung)

Im Einzelnen werden die vier Schritte nacheinander abgearbeitet. Fragen helfen bei der Orientierung, was an welcher Stelle inhaltlich relevant ist.

Situation: WAS IST PASSIERT?

Der/die Sprecher*in erläutert die Situation. Er/sie identifiziert die Person, um die es geht und beschreibt deren aktuellen Zustand kurz und knapp, indem z.B. Bewusstseinszustand, Vitalzeichen und Operationsfähigkeit benannt werden.

Background:  WAS IST DIE VORGESCHICHTE?

Kurz wird der Background des/der Patient*in beschrieben. Benannt wird beispielsweise, warum die Person im Krankenhaus ist, welche Vorerkrankungen vorliegen und wie sich die aktuelle Krankensituation entwickelt hat.

Assessment: WAS IST VERMUTLICH DAS PROBLEM?

Das Assessment verlangt eine Einschätzung durch die sprechende Person. Veränderungen und wichtige Parameter werden benannt. Basierend auf diesen wird eine erste Einschätzung vorgenommen und sofern möglich auch eine Verdachtsdiagnose formuliert.

Recommendation: WAS IST ZU TUN?

Mit der Recommendation wird eine Empfehlung eingeholt oder gegeben. Die sprechende Person formuliert klar, was er oder sie vom Gesprächspartner erwartet oder leitet diese/n mit Aufgaben für den weiteren Verlauf an.

 

Nutzungsmöglichkeiten von SBAR im Klinikalltag

Die strukturierte Informationsweitergabe nimmt nur 1,5 bis 2 Minuten pro Patient*in in Anspruch. Genutzt werden kann SBAR – neben kritischen Situationen wie Notfallmeldungen – bei Übergaben und Schichtwechseln, ebenso in der OP-Schleuse, bei Medikamentenbesprechungen oder bei der Übergabe zwischen OP und Transportdienst. Auch als Einstieg in Mortalitäts- und Morbiditätskonferenzen oder zur Dokumentation von Vorfällen in der Akte des/der Patient*in sind sie hilfreich.

Voraussetzung für die Einführung und Anwendung des Tools

Auch wenn SBAR als Werkzeug universell angelegt ist und sich grundsätzlich für jede kurze Informationsweitergabe eignet, funktioniert es nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zunächst muss SBAR von der Leitungsebene für alle verbindlich als Tool zur Kommunikation vorgegeben werden. Das schematische Vorgehen muss an die Gegebenheiten im Haus angepasst werden – je nach Fachgebiet und Anwendungsort werden notwendige Spezialisierungen ergänzt.

Die Mitarbeitenden, die das Tool nutzen sollen, müssen in der Anwendung geschult werden.

Wenn SBAR zur Kommunikation eingesetzt wird, müssen sich alle Beteiligten an den schematischen Ablauf halten, Nebengespräche und private Unterhaltungen haben hier keinen Platz.  Regelmäßige Team- und Übergabetrainings mit Supervision zur Übung und Verbesserung werden empfohlen. Nicht zuletzt müssen, sofern das Projekt gelingen soll, alle relevanten Zielgruppen eingebunden werden.

SBAR wirkt. Studien haben eine Reduzierung unerwarteter Todesfälle und eine Erhöhung der Patient*innensicherheit nachgewiesen. SBAR etabliert über die verschiedenen Berufsgruppen hinweg eine gemeinsame Sprache aller Beteiligten. Im Kontext Krankenhaus ermöglicht dies eine qualitativ hochwertige Patient*innenversorgung und ein Arbeiten auf Augenhöhe zwischen Pflege und ärztlichem Dienst.